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Oktober 10, 2013

Nach Mursi.

von Alexander Schmelzer

Die Entmachtung  Präsident  Mursis durch die Armee und in erster Linie die übergroße Mehrheit des Volkes hat der Revolution  Ägyptens seit Juli dieses Jahres eine notwendige Kurskorrektur ermöglicht  und hat Raum geschaffen für eine Übergangsregierung, die nun daran arbeitet den Erwartungen der übergroßen Mehrheit der Ägypter gerecht zu werden.

Die Notwendigkeit der von General El Sisi getroffenen Entscheidung geht weit über die Bedingungen von Nähe- und Treueverhältnissen hinaus und offensichtlich auch über den Erkenntnishorizont so mancher Beobachter.

Es hat Fehlreaktionen gegeben wie die Washingtons, die Zuwendungen an Ägypten zurückzuhalten oder zu kürzen, statt die günstige Entwicklung in Ägypten zu unterstützen. Stattdessen wird taktiert, im Namen und auf Rechnung der Demokratie die es am Nil noch zu erreichen gilt. Aber wessen Demokratie ist das?  Natürlich haben die USA das Recht auf ihre eigene Agenda und ihre eigenen Interessen und das Recht über ihr Geld nach Gutdünken zu verfügen. Und auch das Recht kalkulierte Statements zu verbreiten. Andere, weniger einflussreiche Staaten, verhalten sich ähnlich. Man spürt die Absicht und man ist verstimmt.

Das alles wird flankiert von Medien, die wie gleichgeschaltet erscheinen, gleichsam auf Knopfdruck. Die Verwendung des Begriffs Systempresse überrascht da nicht. Ich denke nicht, dass es eine gesteuerte Kampagne o.ä. gibt, sondern es fehlt an der Fähigkeit, den eigenen Referenzrahmen gelegentlich zu verlassen, einen anderen, fremden Referenzrahmen für möglich zu halten oder gar beim Umgang mit Anderen, Fremden einen neuen Referenzrahmen für Begriffe zu entwickeln, die in unterschiedlichen Kulturen Unterschiedliches zum Inhalt haben. Ein kurzer Aufenthalt im Land, um für den Auftraggeber zu berichten, reicht dafür nicht (ein unaufmerksamer, längerer Aufenthalt ebenfalls nicht). So wird das Wahrgenommene in den eigenen Referenzrahmen gezwängt und das dabei zu Bruch gegangene bestenfalls zu einem Bericht, schlimmstenfalls zu einem Kommentar, jedenfalls aber verarbeitet und letztendlich als Produkt einem Publikum präsentiert, das entweder fehlinformiert oder fehlgeleitet wird. Professionelle Stimmen die das so geschaffene Bild geraderücken gibt es, finden aber in westlichen Medien derzeit wenig oder kein Gehör.

Durch so manche Kalkulation wurde ein Strich gemacht, als einige Golfstaaten verkündeten, Ägypten massiv zu unterstützen und dies auch taten. Die bereits überwiesenen und die in Aussicht gestellten Beträge übersteigen die aus Washington und anderswoher erheblich. Noch braucht Ägypten dieser Art Unterstützung von außen. Russland äußerte schon weitergehende Bereitschaft.

General el Sisi, der inzwischen zu einem Symbol für den Zusammenhalt Ägyptens geworden ist, hat die Unterstützung durch die Nachbarn willkommen geheißen und einen unerwünschten Einfluss des Auslands auf die ägyptische Identität zurückgewiesen, das Land werde an der „Roadmap“, dem Fahrplan bis zu den Neuwahlen im Jahr 2014, festhalten.

Im politische Prozess gibt es derzeit zwei Kristallisationspunkte: Mursi und el Sisi. Für mehr gibt es keinen Raum. Beide Personen stehen für sich gegenseitig ausschließende politische Wege. Einen Mittelweg gibt es nicht. Die Gestaltung des noch zu wählenden Wegs muss und wird später kommen.

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